#023 Stadion, Puerto Viejo, Lichterfestival, Fundación > Zusammenfassung der vergangenen Wochen

Montag, 17. Dezember

Hallo ihr Lieben!

 

Tut mir Leid, dass ich so lange nur Bilder hoch geladen habe und nichts mehr geschrieben habe, aber es gab so viel zu erleben. :) Außerdem sagen Bilder so viel mehr aus, als Worte es können.

Aber um einige Bilder zu erklären:

 

Am 21. November waren wir mit unserem Arbeitskollege Mariano, hier in Alajuela, im Fußballstadion. Das war das erste Mal, dass ich live ein Spiel besucht hatte und ich war begeistert! Die Stimmung war so gut, besonders nachdem Alajuela gewann. :)


Am 1. Dezember sind wir in das Museum für zeitgenössische costa-ricanische Kunst in San José. Dieses liegt im ehemaligen Flughafengebäude, direkt am Sabana-Park, in dem früher die Start- und Landebahn waren, bis man sich entschloss einen neuen größeren Flughafen außerhalb der Stadt zu bauen. Leider wird die Hauptaustellung gerade gewechselt, deswegen gab es nicht allzu viel zu sehen. Denn eigentlich beherbergt das Gebäude neben all den Kunstobjekten auch den prunkvollen Wartesaal der 1. Klasse. Aber wir möchten bald nochmal hin.

Am Wochenende vom 8. und 9. Dezember sind Kati und ich zusammen mit einem befreundeten Tico an die Karibikküste nach Puerto Viejo gefahren. Die Fahrt ging mit dem Bus über Limón, wo wir schon die Karnevalsparade gesehen haben, die Küste entlang, vorbei an zahlreichen Bananenplantagen. Wir zogen in ein kunterbuntes Hostel ein und suchten uns eine Hängematte als Schlafplatz aus! Ich hätte nie gedacht, dass man in Hängematten so gut schlafen kann. :) Wir verbrachten den restlichen Tag am Strand und gingen abends das erste Mal, seit ich hier bin richtig gut essen. Für Kati gab es Fisch, der in einem Bananenblatt gegrillt war und für mich Spaghetti in Gorgonzolasoße mit Shrimps, grünem Spargel und Tomaten. Das war mit Abstand das beste Essen, das ich hier gegessen habe. Auch Katis Fisch war wirklich klasse.
Am nächsten Tag gingen wir am Strand zum Frühstücken. Wir haben ein bisschen gesandelt und gebadet. Mittags lernten wir zwei Mädels aus Reutlingen kennen (wie klein die Welt doch ist!). Die beiden wollen in zwei Monaten von Panama nach Mexiko reisen. Es war so gut mal wieder jemand schwäbisch schwätzen zu hören! :) Anschließend sind wir durch die Stadt gelaufen, um unsere Rückfahrttickets zu kaufen.
Und genauso habe ich mir die Karibikküste vorgestellt: Fischerboote, farbige Männer mit Rastazöpfen und Mützen wie Bob Marley, viele Fahrräder, Wärme, bunte Welt, Sonne, Meer und Zeit existiert nicht, niemand ist in Eile oder hetzt. Es war wundervoll. Wir verbrachten die restliche Zeit Ananas-essend am Strand, genossen diese wundersame Atmosphäre, in der Zeit still zu stehen scheint und nahmen am Nachmittag den Bus zurück nach San José.

 

Am 15. Dezember war in San José das Festival des Lichts. Sämtliche Straßen waren gesperrt und ich hab noch nie so viele Menschen gesehen. Wir gingen erst einmal bei einem Asiaten etwas essen, bevor wir uns mit Simona (aus Heidelberg) und Mick (einem Amerikaner) trafen, um gemeinsam die Parade anzuschauen. Dieses entpuppte sich als grandios! Die ersten Gruppen, die die Parade anführten bestanden aus Polizei und dem costa-ricanischen roten Kreuz. Aber die Wägen, die danach folgten, waren so gigantisch beleuchtet. Die Kostüme waren wunderschön und man hatte Angst was zu verpassen, wenn man auch nur eine Sekunde den Blick abwendete. Zwischen diesen Wagen liefen immer Musikgruppen mit unzähligen Mitgliedern. Es gab überall in der Stadt Feuerwerke. Die Stimmung war toll, und auch wenn es etwas kühl war, genoss ich jeden Augenblick.
In den Seitenstraßen fand währenddessen eine Konfettischlacht statt. Frei nach dem Motto: Wenn man keinen Schnee hat, nimmt man eben weißes Konfetti, bewarfen sich alle mit den kleinen Papierschnipseln und riefen „Merry Christmas“ und „Feliz Navidad“. Sowas zu erleben war etwas eigenartig, aber dennoch lustig. :) Aber ich hatte überall Konfetti, was sich am nächsten Tag auch in unserer Wohnung wieder fand. Es war echt eine tolle Lichterparade.

 

In der Fundación fühle ich mich mittlerweile richtig wohl und ich gehe super gerne zur Arbeit. Ich arbeite nach wie vor in einem der drei Häuser, wobei ich in letzter Zeit auch öfter im Frauenhaus mitarbeite. Langsam habe ich wirklich das Gefühl als Ninera gesehen zu werden und nichtmehr als Deutsche, die kein Spanisch kann und Sonderrechte besitzt. Ich habe mir viel erarbeitet und immer gefragt, ob ich helfen kann oder was ich tun kann. So helfe ich nun mind. 2 Mal die Woche morgens im Bad und habe heute das erste Mal geduscht, anstatt wie sonst immer die Bewohner anzuziehen. Ab und zu darf ich die Medikamente richten und in der Wäscherei bin ich auch immer eine gern gesehene Hilfe. Ich komme eigentlich mit all meinen Kolleginnen und der Schwester, die in meinem Haus das Sagen hat, gut aus. In letzter Zeit habe ich auch wirklich das schöne Gefühl gebraucht zu werden, da es regelmäßig zu wenig Nineras hat und was mich in meinem "Hier-sein" immer wieder bestärkt.
Vor wenigen Wochen gab es jedoch einen Todesfall. Christian, einer der Bewohner in meinem Haus, verstarb. Ihm ging es nicht gut, weswegen zwei Ärzte kamen, die aber beide nichts feststellen konnten. Nachdem sein Herz immer wieder aussetzte wurde er ins Krankenhaus nach Alajuela gebracht, wo er am Tag darauf verstarb. Eine eigenartige Trauer beherrschte die folgenden Tage die Arbeit. Niemand wollte wirklich darüber reden. Ich fand es schade, dass an seinem Bett nicht einmal eine Kerze stand oder etwas in der Art. Aber die Nonnen glauben fest daran, dass es ihren Schützlingen nun besser geht.
Jedoch gibt es auch tolle Nachrichten. Yessenia, von der ich schon einmal berichtete (33 Jahre alt, sieht aus wie 7), ist am Donnerstag vergangene Woche das erste Mal ohne Hilfe gelaufen. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass sie ein Problem mit dem Gleichgewicht hat und habe die Erfolge kaum bemerkt. Deswegen war der Moment umso schöner, als sie ohne Hilfe lief! Alle Nineras in meinem Haus haben sich mit mir gefreut. Yessenia ist noch etwas faul, setzt sich immer wieder hin und fängt an zu quängeln, aber ich werde weiter mit ihr üben und täglich laufen!
Täglich helfe ich vor dem Mittagessen Serena, Kati und Mayra bei der Physiotherapie, wobei zu dieser Uhrzeit hauptsächlich die Bewohner der Häuser therapiert werden. Ich habe einige Male gefragt, ob ich auch am Nachmittag helfen darf und so konnte ich mit den Babys und Kindern arbeiten. Die Kleinen sind richtig niedlich und ich hoffe noch öfter mit ihnen arbeiten und schmusen zu können. :) Besonders die Babys habe ich richtig ins Herz geschlossen. Valeria, zum Beispiel, ist wohl eine der Süßesten von allen, aber leider wächst sie kaum und man würde nie denken, dass sie über ein Jahr alt ist, da sie eher wie ein 2-3-monatiges altes Baby aussieht. Oder Israel, der jedes Mal lacht, wenn man seine Hände leicht schüttelt, aber sowohl eine Sonde, als auch einen Luftröhrenschnitt hat. Bei Matthias fragen Kati und ich uns auch immer wieder, wie man so ein süßes Baby weggeben kann. Genauso Catalina, das absolute Lieblingskind aller Nonnen. Sie hat einen Wasserkopf und ist von ihrer Entwicklung her auch noch etwas zurück, aber sie kann mittlerweile problemlos sitzen und wird vermutlich auch laufen lernen, was kein Arzt für möglich gehalten hätte.
Morgen werden wir das erste Mal das Therapiebecken der Fundación benutzen. Nachdem wir schon die Hoffnung aufgegeben hatten, dass das Wasser jemals abgelassen wird, und das Becken somit gereinigt werden kann, hat sich vergangene Woche wirklich was getan! Aber anstatt Wasser herauszulassen, wurde Wasser hineingelassen und nachdem in der Mittagspause niemand im Therapieraum war, ist das Wasser übergelaufen und hat alles überflutet. Das Dumme daran ist, dass man die Wasserzufuhr nur von einem Geräteraum aus regeln kann, zu dem Mayra keinen Zutritt hat. Deswegen hat es auch über 4 Monate gedauert, bis etwas geschah und Diego, der Herr der Fundación endlich mal etwas tat. Aber nun freuen wir uns alles auf morgen und hoffen, dass die Therapie im Becken wirklich stattfindet, weil wir unsere Badekleidung schon zwei Mal vergeblich mitnahmen.

 

Wie ihr seht, geht es mir hier sehr gut und ich fühle mich sehr wohl! :)

 

Ich wünsche euch frohe, wunderschöne Weihnachten!

Viele liebe Grüße aus dem fernen Costa Rica