#016 Poolparty, RitterSport-Schokolade & Strandausflug

Sonntag, 30. September

Letztes Wochenende waren wir  freitags auf einer Poolparty eingeladen. Wir dachten erst, dass das Wetter nicht so toll ist und der Pool wahrscheinlich eher klein ist und nahmen kein Badezeug mit! Das bereuten wir sofort. Der Pool gehörte dem kanadischen Opa unseres Freundes Esteban. Er wohnte außerhalb von Alajuela auf einem großen Gelände mit Gästehaus, Wachmann, allem drum und dran. Der Pool war super groß, mit Rutsche und Whirlpool. Wir grillten, saßen zusammen und hatten einen super Abend! Nächstes Mal müssen wir das Badezeug unbedingt mitnehmen! :)
Samstags machten wir uns auf zu der internationalen Mall von Alajuela. Das ganze entpuppte sich als nicht allzu großes Einkaufzentrum mit vielen kleinen Läden und einem großen Bereich mit allen möglichen Fast Food Restaurants. Nachdem wir erfolgreich geshoppt und lecker gegessen hatten ging es weiter in Walmart, einem amerikanischen Supermarkt. Wir trauten unseren Augen nicht, wie Kinder an Weihnachten, denn es gab einfach alles: Brot, viele andere Backwaren, RitterSport-Schokolade, deutsche Marmelade, Hengstenberg Rotkohl. Einfach alles! Wir deckten uns mit Schokolade und allem anderen, was man in dem kleinen Supermarkt bei uns nicht bekommt, ein. Nur das einzige, was ich nicht finden konnte, waren Schokopuddingpäckchen. :( Naja mit vielen Taschen voll mit Leckereien und einem Toaster ging es mit dem Bus heim.
Die Woche über haben wir gearbeitet bis wir am Donnerstag Morgen um 5.45 Uhr von einem Mitarbeiter der Fundación abgeholt wurde. Er brachte uns nach San José zu der Polizeibehörde um Fingerabdrücke zu machen, damit wir das Visum bekommen. Als wir ankamen, war uns auch sofort klar, warum das so früh sein musste! In der Reihe vor der Zufahrt auf das Polizeigelände standen etwa 200 Menschen. Zum größten Teil waren das Nicaraguaner. Jeder der ein Visum oder eine Aufenthaltsgenehmigung will muss zu dieser Behörde. Wir haben uns erst einmal hinten angestellt, während unsere Begleitung zum Eingang ging um die Beamten zu fragen, wie lange das denn dauert etc. Uns fiel auf, dass ganz viele Frauen mit Babys in der Schlange warteten. Das liegt daran, dass die Nicaraguanerinnen ihr Kind in Costa Rica zur Welt bringen wollen, da das Kind so die Costa Ricanische Staatsbürgerschaft erhält und die Frauen dann nicht abgeschoben werden können. Unser Begleiter kam mit den Infos wieder, dass die Polizei nachts um 2 Uhr (!!!) aufmacht, was auch die Kissen und Stühle etc. erklären würde, was die Wartenden bei sich haben und dass es nur 30 Beamte gibt und heute deswegen auch nur 30 Menschen das Dokument beantragen können. Richtig super. Plan A war dann nachts wieder zu kommen, aber es hieß, dass die Gegend gefährlich ist, also gingen wir zum Eingang um das ganze mal zu begutachten. Eine Polizeibeamtin kam und fragte was wir wollen etc. und nachdem wir erklärten, dass wir deutsche Freiwillige sind durften wir knapp eine halbe Stunde später auch wirklich rein, ohne in der Schlange anstehen zu müssen! Ich glaube hier wird weiße Haut wirklich mit höherer Klasse verbunden. Denn ich hab schon öfter gesagt bekommen, dass es hier auch blonde Menschen gibt, die aber aus den höheren Schichten stammen. Mittlerweile war es durch die Sonne schon richtig heiß. Wir mussten ein Formular ausfüllen, mit allen Daten und auch wo wir z.B: Tattoos oder Narben haben. Irgendwann nachdem wir befragt wurden, unser Foto abgegeben hatten  und Fingerabdrücke gemacht worden sind, hatten wir diesen kleinen Zettel endlich, der anscheinend so schwer zu bekommen ist. Juhu ein Schritt weiter auf dem Weg zum Visa!
Wir blieben den ganzen Tag in San José und sind eine Tour abgelaufen, die in unserem Reiseführer beschrieben worden ist.
Am Samstagmorgen sind wir schon um 4.30 Uhr aufgestanden, haben uns fertig gemacht, Sandwiches geschmiert und sind dann mit dem Bus nach San José aufgebrochen. Von dort aus ging es um 7 Uhr mit dem Bus nach Jaco weiter. Die Fahrt dauerte etwa zwei Stunden. Jaco ist eine sehr touristisch geprägte Stadt an der Pazifikküste von Costa Rica und beherbergt den nächstgelegenen Strand. Da grad Nebensaison ist, wirkte alles etwas verlassen. Riesen Hotelgebäude reihten sich am Strand entlang. Wir trafen uns mit einer anderen Deutschen (Simona), einem Mädchen aus Taiwan und einer aus Norwegen. Die Drei waren schon am Freitagabend angereist und hatten auch gleich Amerikaner kennengelernt die ihnen das Surfen beibringen wollten. Also lernten auch wir die vier Jungs kennen, liehen uns Surfboards und gingen an Strand. Nachdem ich zwei Stunden im Schatten lag und 50er-Sonnencreme benutzte, hatte ich trotzdem einen leichten Sonnenbrand! Die Sonne darf man hier echt nicht unterschätzen. Wir Mädels wechselten uns beim Surfen ab, da wir uns als blutige Anfänger nur ein Board geliehen hatten. Ich muss auch echt sagen, dass das wirklich anstrengend war. Die Strömung war stark und die Wellen machten es schwer vom Strand weg zu kommen. Es machte trotzdem echt Spaß und Übung macht den Meister. Wir wollen es auf jeden Fall nochmal probieren. Wir verbrachten den ganzen Tag am Strand, aßen unsere Sandwiches, Wassermelone und Kokosnuss. Matthew, einer der Amerikaner, kletterte sogar auf eine Palme um eine frische Kokosnuss zu pflücken. Nachdem Drew sie aufgemacht hatte durfte ich den ersten Schluck kosten. Da sie noch nicht ganz reif war, war die Milch etwas säuerlich, aber trotzdem echt lecker! Abends ging es zurück nach Hause und wir waren alle total geschafft.
Zwei Monate sind schon fast rum und morgen ist der erste Oktober! Krass, wie die Zeit vergeht!
Mir gefällt es hier super! :)
Viele Grüße aus dem Paradies!

 

#015 Arbeitsalltag

Dienstag, 18. September

Nach zwei Wochen Eingewöhnungszeit in der Fundación erzähle ich euch jetzt endlich mal, was ich dort jeden Tag so erlebe! :) Morgens verlassen wir unsere Wohnung um 6.25 Uhr, laufen zur Bushaltestelle, steigen in den Bus und kommen dann pünktlich gegen 7 Uhr an der Fundación an.
In dem Haus, in dem ich arbeite, wohnen zur Zeit 16 Menschen (4 Männer und 12 Frauen) unterschiedlichen Alters mit recht schweren Behinderungen. Der Großteil kann nicht sprechen und sitzt im Rollstuhl und nur wenige können ohne Hilfe essen.
Zuerst werden alle geweckt. Einer nach dem anderen wird in den Rollstuhl verfrachtet oder sie dackeln alleine in eines der zwei Bäder des Gebäudes. Bisher habe ich in der Zeit, in der die Bewohner gewaschen werden, immer Medikamente hergerichtet oder die Betten desinfiziert und neu bezogen, aber heute durfte ich das erste Mal beim Duschen helfen. Besser gesagt, ich hab sieben Mädels komplett alleine geduscht und sie jedes Mal dann an eine Niñera (Pflegerin) weitergegeben, die sie anzog. Das war eine recht nasse Angelegenheit, aber eigentlich ganz lustig. :) Nachdem sie fertig angezogen sind, werden sie in den Raum gefahren, in dem gegessen wird. Alles ist streng geregelt, wer in welcher Reihenfolge in welches Bad geht und, je nachdem ob vier oder fünf Niñeras da sind, wer wen füttert. Es gibt zwei verschiedene Essen: Ein Normales und eines in Breiform. Meistens fütter‘ ich zwei Bewohner. Nachdem alle gegessen haben, werden sie hinaus in die Sonne gebracht. Dann gibt es für die Niñeras die erste Merienda (Vesperpause). Für mich ist diese um 9.30 Uhr. Anschließend werden die Mädels frisiert, während die anderen Niñeras anfangen zu putzen, zu spülen, die Wäsche aufzuhängen oder was sonst so anfällt. Die Niñeras gehen total süß mit allen um und achten auch super drauf wie ihre Schützlinge angezogen sind. Oberteil und Hose sind immer farblich abgestimmt und auch die Socken müssen dazu passen. Sie bekommen auch Deo, Parfüm, Haargel und die Mädels haben jeden Tag eine andere Frisur.


An dieser Stelle möchte ich kurz von einer Bewohnerin erzählen, die mich jeden Tag aufs Neue überrascht. Sie ist auch mein Liebling unter allen! :) Die Rede ist von Yetty, einer total lieben jungen Frau, deren Alter ich leider (noch) nicht genau weiß. Sie sitzt im Rollstuhl, kann nur wenige Wörter sprechen und ist etwa 1,50 m groß. Sie hat leider einen recht steifen Körper, kann ihre Beine nicht ausstrecken, geschweige denn alleine bewegen, und ihre gesamte Körperhaltung erinnert eher an die eines Babys. Ich kann nur sagen, man unterschätzt Menschen mit Behinderungen viel zu schnell. Sie lächelt einen immer an, wenn man ihren Namen ruft und wenn man bei ihr steht, zieht sie einen an sich heran um ein Küsschen zu geben oder einen zu umarmen. Total herzlich! :)
In meiner ersten Woche in der Fundación ist mir schon aufgefallen, dass sie eine richtige kleine Dame mit überraschend starker Persönlichkeit ist. Sie liebt ihre Schuhe, und wenn man sie vom Bett in den Rollstuhl setzt, zeigt sie immer gleich auf sie und möchte, dass man ihr diese anzieht. Wenn man dann mit der Haarbürste auf sie zukommt, lächelt sie und macht sich selbst das Haargummi aus dem Haar. Haare gebürstet zu bekommen und frisiert zu werden genießt sie total.
Yetty ist außerdem eine der wenigen, die alleine essen kann. Wobei sie immer erst mit dem Essen beginnt, wenn ihr Lätzchen richtig sitzt und nichts auf ihr Oberteil tropfen kann. Wenn dann etwas auf dem Tisch tropft wischt sie es immer gleich weg. Oder heute erst habe ich beobachtet wie sie die Bremse bei dem Rollstuhl ihrer Mitbewohnerin reingemacht hat, was mich wieder total überraschte. Langsam verstehe ich auch ihre „Sprache“, was sie mit den Lauten, die sie von sich gibt meint.
Für alle mag das jetzt vielleicht nicht so außergewöhnlich klingen, aber mich überrascht sie einfach jeden Tag aufs Neue. :)

So nun weiter im Tagesablauf. Alle werden gegen 10/10.30 Uhr wieder in die Betten gelegt. Während dessen wird weiter geputzt etc. Teilweise wird der Boden drei Mal mit Desinfektionsmittel gewischt! Von 11-12 Uhr hat die erste Gruppe Niñeras ihre Mittagspause. In der Zeit helf ich oft die Schlafanzüge rauszusuchen. Das ist manchmal etwas mühsam, weil nichts nach Größe sortiert ist und man manchmal ewig nach etwas Passendem sucht. Alle bekommen jeden Tag komplett frische Wäsche. Um kurz vor 12 verfrachten wir die Lieben dann wieder in ihre Rollstühle, verteilen Lätzchen und bringen sie in den Raum, in dem gegessen wird. Um 12-13 Uhr habe ich dann Mittagspause, in der wir essen und uns dann auf die Wiese legen um etwas auszuruhen. Generell darf ich schon überall mit anpacken, es gibt immer etwas zu tun und das Duschen der Bewohner heute hat meine Aufgabenliste (glaube ich) vervollständigt. Ich werde von den anderen Niñeras wie eine weitere Niñera gesehen, was mich echt freut. Denn im Gegensatz zu mir haben Serena und Kathi das Gefühl eher als Praktikanten gesehen zu werden. Sie müssen oft erst fragen, ob sie beispielsweise füttern dürfen und viele Aufgaben haben eher den Eindruck von überflüssiger Beschäftigungsarbeit.
Wenn ich aus der Pause komme, füttere ich meist ein oder zwei Personen. Um 14 Uhr werden alle wieder in die Betten gelegt und die Putz- und Desinfikationsgeschichte geht von vorne los. Entweder helf ich da mit oder richte mit zwei anderen Niñeras die Kleidung für den nächsten Tag. Wie ich oben schon gesagt habe, wird total darauf geachtet, was ihre „Kleinen“, wie sie von den Nonnen und Niñeras genannt werden, anziehen. Alles wird aus den Kleiderstapeln gezogen, angeschaut und entweder zurück gelegt oder das farblich passende Gegenstück gesucht. Das Ganze kann dann auch schon mal eine ganze Stunde dauern. Ich finde es jedes Mal richtig witzig. Die Niñeras haben alle ihre Lieblingskleidungsstücke und echt Spaß daran die Klamotten auszusuchen.
Um 15.30 Uhr gibt es wieder Merienda und danach dürfen wir gehen um den Bus rechtzeitig zu erwischen. :) Die anderen Niñeras arbeiten 10 Stunden am Tag und bleiben deswegen bis 18 Uhr. Ich muss sagen, dass ich sie jetzt schon alle ins Herz geschlossen habe und die Arbeit echt Spaß macht. :)
Das nächste Mal möchte ich euch von den Nonnen berichten, die echt merkwürdig finde!

Ganz viele liebe Grüße! :)

#014 San José - Großstadtanonymität

Sonntag, 16. September

Heute sind wir das erste Mal nach San José gefahren. Mit dem Bus ging es von Alajuela aus in das Hauptstadtzentrum. Dabei stellten wir fest, dass der Flughafen und ein großes Einkaufszentrum nicht weit entfernt sind. Mit dem Auto sind es nur etwa 10 Minuten. An der Endhaltestelle wartete Memo auf uns. Das ist der Freund unserer Vorgängerin Annika. Wir liefen ein wenig durch die Innenstadt. Hier kann man wirklich gut shoppen gehen! :) Nachdem wir bei Taco Bell essen waren, ging er mit uns in das Nationalmuseum von Costa Rica. Er erzählte uns sehr viel und dort war es echt super. Es befand sich in einem alten Gefängnis, einer richtigen Festung. Der damalige Präsident ließ die Mauern dieses Gefängnisses herunterreißen um zu demonstrieren, dass Costa Rica keine Armee mehr besitzt. Ich glaube das war 1949. Aber wegen dem heutigen Museum hat man alle rekonstruiert.
Zuerst lief man durch ein Schmetterlingshaus, mit wunderschönen, großen Schmetterlingen. Von dort aus konnte man die verschiedenen Ausstellungen besuchen. Ich fand es echt interessant! Es gab so viel über die Menschen, die lange vor unserer Zeit die Gegend bevölkerten. Dinge wie Schmuck und Instrumente waren ausgestellt. Außerdem gab es eine Ausstellung eines Fotografen, dessen Werke wirklich beeindruckend waren. Auf seinen Bildern war das tägliche Leben dargestellt. Viele Fotos entstanden um 1950 und es war daher interessant zu sehen, wie alles damals hier in Zentralamerika aussah.
Nachdem wir das Museum wieder verließen gingen wir noch ein wenig durch die Stadt. Mir gefällt San José (noch) nicht. Die Stadt ist bis auf den Stadtkern, mit seinen Einkaufsstraßen, wirklich hässlich.  Betonhochhäuser ragen in den Himmel, vieles ist mit Graffiti beschmiert oder versteckt sich hinter großen Bauplanen. Unzählige Geschäfte waren geschlossen. Die heruntergelassenen Rollläden wirken abstoßend. Es ist schmutzig, staubig und grau. Die schönen bemalten Wände, die man in Estelí an jeder Ecke entdecken konnte, sucht man hier vergebens. Die Anonymität der Großstadt hat hier fast was Beängstigendes. Die großen offiziellen Gebäude, wie Kirchen, Museen und das Theater sind hingegen echt schön. Ich bin mal gespannt wie ich die Stadt finde, wenn ich wieder abreise. Naja, schaut euch die Bilder an um einen Eindruck davon zu bekommen.
Ich bin froh hier in Alajuela zu wohnen. Es ist nicht so groß, nicht so hässlich, alles eben ein wenig kleinstädtischer. :)
Morgen heißt es wieder arbeiten, ich freue mich drauf, denn die Arbeit macht Spaß. Morgen erzähl ich euch dann auch was von der Arbeit. :) Seid gespannt!

Viele liebe Grüße aus Costa Rica,

eure Alex

#013 Erster Arbeitstag

Donnerstag, 6. September

Gestern Morgen war unser erster Arbeitstag. Wir mussten um 6.20 Uhr aus dem Haus. Mit dem Bus ging es zur Fundacion. Dort wurden wir dann aufgeteilt, um erstmal alles kennenzulernen. So kam ich in die Apotheke, Kathi in die Apotheke des Krankenhauses und Serena zu den Therapeuten. Wobei unter Apotheke der Raum zu verstehen ist, wo die Medikamente hergerichtet werden.
Aber zuerst wurden die Behinderten gefüttert und ich durfte gleich helfen, bis plötzlich die Erde bebte. Für mich war das das erste Erdbeben und ich hab kurz gebraucht, bis ich realisierte was gerade passiert. Es war die pure Aufregung! So schnell wie möglich schafften die Nonnen und Nineras die Behinderten raus und holten noch wichtige Dinge wie Medikamente etc. aus den Gebäuden. Die Nonnen sind Costa Ricanerinnen (Ticos) und die Nineras sind Nicaraguanerinnern (Nicas). Aber das Erdbeben dauert zum Glück nur wenige Sekunden. Draußen rannten alle rum, holten Radios und Sonnencreme und Mützen, da es ziemlich heiß war. Die einen versuchten durch die Radios herauszufinden welche Stärke das Beben hatte, die anderen cremten die Behinderten ein und verteilten Mützen, bis sie die Lage für sicher genug hielten die Behinderten unter das Vordach in Schatten zu verfrachten. Es stellte sich heraus, dass das Beben die Stärke 7.9 hatte, und ganz Mittelamerika betroffen hatte, wobei wir noch nicht rausbekommen haben, wo das Epizentrum lag. Wir verbrachten noch eine ganze Weile draußen, bis wir gegen Mittag die „Kinder“ in die Betten legten. Die Nonnen nennen nämlich alle Heimbewohner ihre Kinder, egal wie alt sie sind.
Nach der Mittagspause half ich einer Schwester die Medikamente herzurichten. Es gibt Listen, in denen genau aufgelistet ist wie viel mg welcher Bewohner braucht. Es gibt etwa 40 verschiedene Medikamente und teilweise muss man noch drauf achten ob Tropfen oder Tabletten benötigt werden. Die Nicas halten die Ticos für arrogant etc. und viele Nicas leben in Costa Rica um die niederen Arbeiten zu machen, wie auf Plantagen, in der Pflege oder in Haushalten zu arbeiten. Daher ist auch das Verhältnis in der Fundacion etwas schwierig, weil z.B.: Die Nonnen die Medikamente nicht von den Nineras herrichten lassen wollen, da sie sie für unfähig halten. Es wird auch genau darauf geachtet ob die Nineras alle Medikamente verabreicht haben. Die Bewohner bekommen mehrmals am Tag Medikamente.
Danach half ich einer Nonne einige Medikamentengläschen, die jeder Bewohner für die verschiedenen Zeiten besitzt, neu zu beschriften. Wir haben sortiert, aufgeräumt, neu eingeräumt, Pillen einzeln umgepackt.
Alle im Heim sprechen so unglaublich schnell, was es für mich echt schwierig macht alles zu verstehen. Aber das wird schon werden! 
:)
Um kurz vor 4 Uhr ging es dann nach Hause, wo wir feststellen mussten, dass das Erdbeben auch bei uns im Haus seine Spuren hinterlassen hat. So lag unser Radio und Handtuchhalter etc. auf dem Boden. Aber alles nicht weiter tragisch! :)

Heute war unser zweiter Arbeitstag! Mir gefaellt die Fundacion wirklich sehr gut! Alle sind nett und es gibt eigentlich immer etwas zu tun. So stand heute auf dem Tagesablauf: fuettern, Physiotherapie, spielen und kuscheln! :) Alles super! :)

Liebe Gruesse aus Alajuela! :)

#012 Ankunft in Costa Rica :)

Dienstag, 4. September

Gestern Morgen um 7 Uhr hieß es Abschied nehmen. Mit dem Tica Bus ging es in Richtung Costa Rica. Die noblen Tica Busse fahren von Mexiko bis nach Panama hoch und runter! Man muss auch ein Ticket früh genug kaufen, da die Plätze reserviert werden und es so sein kann, dass es kein Platz mehr gibt! Ich hatte das Glück, dass im Bus niemand neben mir saß und ich so auf der rund 9-stündigen Fahrt mich ausbreiten und schlafen konnte. Wir hatten einige Probleme an der Grenze, da wir noch kein Visa besitzen und da wir so als Touristen einreisen, wollten die Beamten einen Nachweis für die Ausreise sehen. So mussten wir erstmal Tickets für eine Ausreise kaufen, welche wir so schnell eh nicht antreten werden. Ich hoffe wir bekommen ganz schnell unsere Visa. Gegen Nachmittag kamen wir am Flughafen von San Jose an. Von dort aus wurden wir auch gleich abgeholt und in unsere neue Arbeitsstelle, die Fundacion Manos Abiertas gebracht. Alajuela ist viel stätdischer, als die Städte die wir von Nicaragua kannten: enger, lauter, anonymer. Große, schnell befahrene Straßen, Ampeln und viele weiße Menschen! Es war aufregend, aber wir waren etwas geschafft von der langen Busfahrt.
Die Fundacion überraschte mich positiv. Man fährt durch große Tore auf das Gelände, auf dem man zuerst am neuen Krankenhaus vorbeikommt. Empfangen wurden wir von Marlene, der „Obernonne“. Sie war freundlich, nett und sympathisch und wir tranken mit ihr Kaffee und aßen Muffins. Ich fühlte mich sofort willkommen. Danach schauten wir etwas übers Gelände. Wir gingen bei den verschiedenen Gruppen der Behinderten vorbei, wobei wir leider nicht hinein durften, wegen einigen Hygienevorschriften. Es gibt eine Gruppe mit nur Männern, eine mit recht Mobilen, die auch alleine Essen können etc. und eine weitere Gruppe. Ich hatte auch von Anfang an das Gefühl, dass man sich hier wirklich um die Menschen kümmert. Es gibt außer den Häusern mit den Behinderten eine Kirche, einen großen überdachten Außenplatz und zwei weitere Häuser, in denen die Nonnen wohnen. Das Krankenhaus ist modern, sauber und freundlich gestaltet. Wir haben die Kinder gesehen die uns mit Lachen empfangen haben. Ich hoffe ich kann mit den Kindern arbeiten!
:)

Dann kam Diego, der hervorragend Englisch spricht und mit Marlene das Heim leitet. Er war auch supernett und freundlich, wir sprachen über Fuß- und Basketball und er wunderte sich darüber, dass alle Freiwilligen, die hier her kommen tanzen lernen möchten! Diego brachte uns in unsere Wohnung, in das Stadtzentrum von Alajuela. Nach drei Wochen hieß es endlich Ankommen und Auspacken! Die Wohnung ist in einem Hinterhaus gelegen und nicht direkt an der Straße. Dann sind Kathi und ich gleich mal aufgebrochen, um das Notwendigste an Lebensmitteln einzukaufen. Natuerlich wurde daheim gleich gekocht: Spagetthi mit Tomatensosse! :) Mit Tee haben wir den ersten Abend gemuetlich ausklingen lassen.
Nachdem wir heute morgen ausgeschlafen und gefruehstueckt haben, sind wir losgezogen um richtig einzukaufen und um ein wenig Grundnahrungsmittel daheim zu haben! Nachher wird dann nochmal gekocht und organisatorisches geklaert bevor wir morgen unseren ersten Arbeitstag haben! :) Ich freu mich schon darauf!

Ganz viele liebe Gruesse aus Alajuela! :)

#011 Léon & Vulkansurfen

Sonntag, 2. September

Gegen 7.30 Uhr brachen wir auf. Nachdem wir uns zu 7 (!!!) in ein Taxi gequetscht hatten ging es in einem Kleinbus nach Léon. Dort angekommen wurden wir von unserem Guide abgeholt und los ging, auf eine ca. 1-stündige Fahrt Richtung Vulkan Cerro Negro. Der Vulkan ist aktiv und zum letzten Mal 1999 ausgebrochen. In der Gegend um den Vulkan ist der Boden vom Ascheregen überall schwarz.
Der Vulkan war grandios. Ein schwarzer Hügel umgeben von Grün. Weite Landschaft und weitere Vulkane, die aber nicht mehr aktiv sind. Der Aufstieg war nicht so berauschend, vor Allem, weil es teilweise ziemlich steil hochging, es sehr heiß war und wir die Snowboards, bzw. die Schlitten tragen mussten. Aber zum Glück ging ein starker Wind, der uns teilweise hochschob, wenn wir das Brett richtig gehalten haben!
Unendliche Weite, am Horizont der Pazifik, eine atemberaubende Aussicht erwartete uns auf den über 700 Metern. Man sah genau, an welchen Stellen die Lava beim letzten Ausbruch runterkam. Die verschiedenen Farben im Vulkankrater waren auch unglaublich. Dann ging es wieder an das Herunterkommen! Jan und ich hatten echte Snowboards, die anderen eine Art Schlitten. Und dann ging es bergab. Ich hatte etwas Startschwierigkeiten, immerhin ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber dann gings echt gut. Es war spaßig und eine klasse Erfahrung! :)
Danach ging es in die Innenstadt von Léon. Wunderschön, bunt und vorallem sauber! Weil im Gegensatz zu Estelí gab es dort überall Mülleimer! Generell muss ich leider sagen, dass hier alles sehr dreckig ist, gerade am Straßenrand liegt so viel Müll! Das Bewusstsein damit umzugehen fehlt den Nicas hier leider wirklich.
Léon ist eine der beiden Kolonialstädte von Nicaragua und das Stadtzentrum ist von den Spaniern geprägt. Es gibt wunderschöne Kirchen aus dem 15. Und 16. Jahrhundert. Teilweise sind sie hauptsächlich aus Holz gebaut und dadurch echt beeindruckend, weil man das aus Europa nicht kennt. Es gibt viele große, prächtige Häuser, die den Reichtum der Spanier verkünden sollten. Die Spanier kamen nach Mittelamerika um sich am Gold zu bereichern. Demnach gibt es recht pompöse Bauten. Und im Gegensatz zu Estelí gibt es überall Weiße! Léon ist eines der Touristenzentren des Landes. Das war nach drei Wochen in Estelí ganz schön witzig, weil wir nichtmehr die Einzigen waren! :D
Aber dann ging es auch schon zurück nach Managua und im Hostel angekommen entdeckten wir eine kleine Wasserschildkröte in einem Teller mit fettigen Wasser und einem Stück Hühnchen! Ich dachte erst sie ist schon tot, besonders nachdem Jan in einem Witz erwähnte, dass manche Schildkröten essen. Die hat mir so Leid getan und wir wussten nicht wo sie herkommt! Aber als sie sich bewegte, wechselten Julia und ich gleich mal das Wasser. Irgendwann kam ein Ehepaar und motzte uns an, dass das ihre Schildkröte sei und nicht unsere und warum wir das Wasser gewechselt haben, da sie so kein Essen mehr habe! Die kleine arme Schildi schwimmt jetzt in ihrem Teller an der Bar. Aber wenigstens hab ich jetzt das Gefühl, dass es ihr besser geht als in dem Fettwasser, weil sie machte schon einen viel aktiveren Eindruck! Hoffentllich lässt das Ehepaar sie wieder frei. ich frag mich sowieso, wo die die herhaben! Naja...

Unzählige Grüße aus Nicaragua!
Morgen geht es endlich nach Costa Rica! :)

#010 Die letzte Woche in Estelí & Fahrt Managua

Samstag, 1. September

Ich sitze gerade im Hostel in Managua, in dem wir schon bei unserer Anreise übernachtet haben. Wenn ich so zurückdenke haben wir in der letzten Woche in Estelí nicht wirklich viel gemacht.

Außerdem merke ich grad wieder wie schnell die Zeit vergeht, weil ich oben September hinzugefügen musste! Fast der erste Monat ist schon rum! ;) Bei unserer Ankunft haben wir uns wegen der Sauberkeit hier im Hostel etwas geekelt oder wegen den Handtüchern die es gab. Aber jetzt ist das irgendwie völlig normal. Naja der Mensch gewöhnt sich an alles...

 

Um von unserer Woche zu erzählen:

Sonntag waren wir zusammen in einem kleinen Restaurant frühstücken, das "La Casita" hieß. Dort gab es es superleckeres europäisches Essen. Ich aß zuerst einen Pfirsichjoghurt mit Müsli und danach Vollkornbrot mit Briekäse (!). Es befand sich etwas außerhalb von Estelí und war supersüß gemacht, mit Gemüsegarten, Enten & Gänsen, und einem Garten mir den unterschiedlichsten Kakteen und Palmenarten.

 

Nachdem wir Montag nichts nennenswertes unternommen haben, kauften wir am Dienstag unsere Tica-Bus Tickets, die uns nach Alajuela bringen sollen! :) Abends kam unsere Gastfamilie von Einkaufen zurück und brachten uns Kellogs-Cornflakes und echtes Nutella mit! Wir hatten ein schlechtes Gewissen, vor allem als wir feststellten, dass das kleine Glas umgerechnet über fünf Euro kostet! Unsere Gastmutter hatte uns nämlich gefragt, was wir in Deutschland so frühstücken. Vielleicht war das ein kleiner Fehler, aber nachdem Schokoladenentzug hier brachte das Nutella echt die pure Freude mit sich! :)

Abends war unsere Gastfamilie in Aufruhr, weil Estelí gegen Alajuela im Fußball antreten sollte! Einige hatten noch die letzten Karten fürs Stadion in Estelí ergattern können. Für das Spiel kam sogar extra unsere Gastschwester aus Managua, da sie dort Medizin studiert. Kathi und ich schauten uns das Spiel daheim an, wussten aber nicht so richtig für welche Mannschaft wir sein sollten, da wir uns ja in Estelí befinden, aber in Alajuela die nächsten knapp 12 Monate leben werden. Estelí verlor mit 1:0, aber demnächst findet das Rückspiel in Alajuela statt.

 

Am Mittwoch gings etwas shoppen, wobei wir eine grandiose Saftbar entdeckt haben! Dort kann man sich die frischen Früchte aussuchen, Joghurt und Eis wird hinzugefügt und das ganze kommt mit etwas Zucker in Mixer! So lecker! Waren am nächsten Tag gleich nochmal da! :)

Donnerstags gings dann in den Maxipali um einzukaufen, weil Serena, Kathi und ich für Freitag uns vorgenommen hatten zu kochen: Spätzle mit Hähnchengeschnetzeltem und Pfannkuchen zum Nachtisch! Tatsächlich bekamen wir auch alles was wir brauchten! Es gab sogar frische Petersilie!
Abends luden unsere Gasteltern uns in ein schickes Restaurant ein! Zum Essen gab es zuerst ein leckeren Salat mit u.a. Blaukraut, roter Beete etc. und danach folgte ein riesen Stück Schweinefleisch, das in einer noch zischenden heißen Pfanne serviert wurde. Dazu gab es Kartoffelbrei, Maduro (süß frittierte Banane), Platano (salzig, kartofflig frittierte Banane), verschiedene Soßen, Käse, Reis und Gallopinto. Die Portionen waren riesig und ständig war ein Kellner da, der entweder irgendwas rumgeräumt hat oder die Getränke nachgefüllt hat. Teilweise fand ich das ech nervig, vorallem weil sofort alles weggeräumt wurde, obwohl die anderen noch am Essen waren. Zum Nachtisch aßen wir eine Art supersüßes mit Sirup übergossenes Stück Käsekuchen. Zusammenfassend: Grandioses Essen! :)

 

Freitag machten wir uns dann ans Werk: Spätzle schaben für sieben Personen! Wir verbrachten rund 2,5 Stunden in der Küche bis wir rund 2,5 Kilo Mehl in Spätzle und Pfannkuchen verwandelt hatten und ein Hähnchen-Champion-Geschnetzeltes gezaubert hatten! Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und kam auch gut bei unserer Gastfamilie an! :) Unser Gastbruder verdückte am meisten Pfannkuchen und wollte am nächsten Tag auch kaum Mittagessen haben, da er schon viele der übriggebliebenen Pfannkuchen gefuttert hatte! :D Unsere Gastmutter meinte auch, dass man vor ihm alles verstecken müsse, weil er sonst alles ist!

 

Heute morgen ging es dann das letzte Mal in die Sprachschule. Mein Spanischfazit nach den ersten drei Wochen: Ich versteh besonders in der Gastfamilie schon ziemlich viel, zusammenhangsmäßig fast alles, aber das Sprechen hält sich noch in Genzen. Nach zwei Stunden Unterricht besuchten wir eine Art Freibad mit den Lehrerinnen, wobei wir alle nicht baden wollten. Ich glaube sie waren auch etwas enttäuscht, dass niemand von uns ins Wasser ist. Danach gings zurück ins Zentrum von Estelí und wir besuchten noch den Markt, der jeden Tag stattfand. Die Gegend war echt unheimlich und unglaublich arm: Eng, dreckig, dunkle Holzverschläge, am Straßen, oder vielmehr Gassenrand lagen Menschen und haben geschlafen. Man wird angestarrt, es wird einem hinterhergerufen und -gepfiffen. In einigen Hütten wurden Tortillas gebacken, die dunkel und unheimlich waren, aus denen irgendwelche arm gekleidete Frauen herauskamen und uns ihre Ware andrehen wollten. Ich kam mir ein bisschen vor wie in einer anderen Welt.
Ich kaufte mir noch Litschis, bevor es nach Hause ging um fertig zu packen.

 

Nach den letzten Fotos und einem herzlichen Abschied, brachte unser Gastbruder, der Julio Cesar heißt, uns zum Busterminal. Es gibt Expressbusse (Reisebusse) und eben die normalen Busse. Wir wollten des letzten Express heute nehmen, mussten aber feststellen, dass der Bus schon rappelvoll war. Also bekamen wir Plastikhocker und setzten uns in den Gang! Das ist Nicaragua! :D Die Fahrt war garnicht so unangenehm und ich habs sogar geschafft etwas zu schlafen, aber doof wurde es, als wir in Managua ankamen und einige aussteigen wollten. Die ersten Aussteiger schafften es über die Stühle hinwegzusteigen, während wir aufgestanden sind, aber an einer Haltestelle wollte ein dicker Ami (?) aussteigen. Er verkörpter den typischen Tourist: Hawaiihemd mit Palmenblättern, kurze Hose, Sandalen und ein Strohhut. Für ihn war es leider nicht so einfach über die Plastikstühle zu steigen. Fast vorne am Ausstieg angekommen kam er auf die Idee auf den Plastikstuhl draufzusteigen, der auch prompt unter seinem Gewicht zusammenbrach. Aber wer denkt aus Fehlern lernt man, denkt bei dem Herrn falsch! Auch der letzte Plastikstuhl musste leiden und ging kaputt. Alle Nicas im Bus lachten! Und bei der nächsten Haltestelle nahmen alle die Hocker hoch, die nicht stehen wollten. Das alles war echt umständlich, weils eng war und viele, wie ich auch, ihr Gepäck direkt bei sich hatten. Aber nach dem dicken Touri war die restliche Fahrt zum Terminal wirklich witzig.

Die Taxifahrt zum Hostel war nochmal ein Abenteuer für sich. Wir nahmen wieder zwei Taxis und die Fahrer versicherten uns sie wüssten wohin es geht. Jedoch nahmen sie eine andere Strecke als die, die wir kannten. Es ging durch die unterschiedlichsten Viertel, durch einen ärmlichen Markt mit vielen Menschen und viele Menschen, die auf den Straßen lagen, an einem Kratersee vorbei... die reinste Touritaxifahrt! Jedoch hatten wir die ganze Zeit das Gefühl, dass unser Taxiahrer nicht weiß wohin es geht. Aber letzendlich kamen wir am Hostel an und gingen vorher noch im Comedor essen! :)

Morgen fahren wir nach Léon, wo wir auf den Vulkan kraxeln werden, um dann mit Schlitten und Snowboards wieder runterzufahren! :)
Und am Montag lassen wir Nicaragua hinter uns und fahren endlich nach Alajuela! :)


Liebe Grüße! :)